Grissini – mit köstlichen Varianten

Grissini-Haselnuss

Mit unserer Wiederentdeckung italienischen Lebensgefühls vor einigen Jahrzehnten und der damit einhergehenden, inflationär sich vervielfachenden gastronomischen Landschaft hielten kulinarische Genüsse Einzug in deutsche Küchen und Eßzimmer, die seinerzeit noch exotisch wirkten („Tiramiwas? Noch nie gehört…“), heutzutage jedoch fast schon etwas altbacken erscheinen. Bei keiner Einladung durften Grissini fehlen, sei es zum Wein oder als Appetithäppchen, strahlten sie in ihrer schmalen Eleganz, senkrecht in kristallenen Gläsern präsentiert, jene Noblesse aus, die uns als Gastgeber von Welt erscheinen ließen, zumal wenn die Spitzen der Teigstäbchen sich mit echtem Parmaschinken umwickelt darboten.

Ursprünglich stammen die Grissini aus dem Piemont. Einer Legende nach soll sie der Bäcker Antonio Brunero 1675 erfunden haben, und zwar für Vittorio Amedeo II. von Savoyen, welcher an Verdauungsproblemen litt. Dem widerspricht jedoch die Tatsache, daß zumindest der Begriff „Grissino“ bereits in Giovanni Boccaccios „Decamerone“ auftaucht, rund 300 Jahre vor Vittorios gesundheitlichen Mißständen, und zwar in Zusammenhang mit einer Armenspeisung am Christtag.

Verdauungsprobleme? Armenspeisung? Was setzt der Hias uns heute vor? Keine Angst, es darf ruhig etwas geschmack- und gehaltvoller werden. So stelle ich Euch das Grundrezept (frei nach Arrigo Ciprianis Rezept) sowie einige Varianten vor. Eurer Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt…

Gesamtzutaten (für ca. 75 Stück / 1 kg)

  • 400 g Wasser, lauwarm
  • 35 g Hefe
  • 50 ml Olivenöl (möglichst gutes!)
  • 50 g Schweineschmalz
  • 18 g Salz
  • 18 g Zucker
  • 835 g Weizenmehl 550

Zubereitung

Alle Zutaten 5–8 Minuten lang kneten. Abdecken und ca. 20 Minuten ruhen lassen. - Nochmals kurz durchkneten, etwa 8 mm dick ausrollen und an einem warmen Ort abgedeckt 1 ½ Stunden gehen lassen, auf der Arbeitsfläche oder auf mit Backpapier bedeckten Blechen.

Grissini_2Wiederum kurz durchkneten, auf ca. 6mm Dicke zu einer rechteckigen Platte ausrollen. Dabei schon ungefähr planen, wie lang die Grissini werden sollen. Wollt Ihr z.B. 25 oder 30 cm lange Grissini, macht Ihr eine Teigplatte von ca. 50 x 60 cm, die dann einmal längs oder quer durchgeschnitten wird, oder aber den Teig in mehrere kleine Stücke teilen und einzeln ausrollen.

Jetzt zu Streifen von ca. 1cm Breite schneiden. Das geht gut mit einem Pizzaroller, sehr gut mit einem mehrrädrigen Teigschneider. Einzeln, mit ca. 1 ½ cm Abstand, auf mit Olivenöl eingefettete Backbleche setzen, auf Wunsch etwas in sich verdrehen und bestreuen (Sesam, Kümmel…)

Im vorgeheizten Ofen bei 225°C 10 Minuten lang backen, dabei ständig beobachten, damit die Grissini nicht zu dunkel werden. Aus dem Ofen holen und ca. 15 Minuten abkühlen lassen. Danach bei 160°C nochmals 5–10 Minuten lang nachbacken.

Die Grissini sollten nun ihre komplette Feuchtigkeit verloren haben und sind somit ziemlich lange haltbar – außer man verspeist sie… Traditionellerweise werden Grissini einfach lose in Butterbrotpapier aufbewahrt und bleiben dabei kross. Gut geeignet sind auch Blechdosen oder Zellophanbeutel. In solche verpackt sind sie auch willkommene Mitbringsel…

Grissini_3

Zugabe: Varianten (wird fortgesetzt)

Grissini-Rosmarin

Piemonteser Haselnuß-Grissini (auf dem ersten Bild im Vordergrund): Grundrezept + 300 g Piemonteser Haselnüsse („Runde Römer“; zunächst grob gehackt, ohne Fett in der Pfanne geröstet, dann etwa zu Stecknadelkopfgröße gehackt) + 40 g Wasser. Statt Olivenöl Piemonteser Haselnußöl.

Parmesan-Grissini (auf dem zweiten Bild, links im Korb): Grundrezept + 150 g frisch geriebenen Parmesan.

Rosmarin-Grissini (Bild oben): Grundrezept + 3–4 EL gehackten, frischen Rosmarin. Statt Olivenöl Rosmarinöl (Olivenöl ansetzen mit frischem Rosmarin, Chilischote, Ingwer, Zitronenschale, Knoblauchzehen, Pfefferkörnern… ganz nach Belieben, 3 Wochen lang ziehen lassen. Sehr gut geeignet auch zum Braten von Fleisch und Fisch).

Steinpilz-Grissini (Bild unten): Grundrezept + 37 g Steinpilzmehl + 40 g Wasser

Grissini-Steinpilz_2

Rezept als PDF (mit Zeitplan)